Müller lernt mehr über die Hisbollah
Bei allem, was man in Beirut erleben kann, darf man eines nicht vergessen: Noch vor zwei Jahren war hier Krieg. Und wenn man genau hinsieht, erkennt man die Folgen der israelischen Bombardierungen noch ganz gut. In einem Viertel sind sie ganz deutlich zu sehen: Dahieh.
 
Dieser Stadtteil im Süden Beiruts gilt als das Hauptquartier der Hisbollah, der islamistischen „Partei Gottes“. Diese Gegend stand während der Krise im Sommer 2006 besonders unter israelischem Beschuss.
 
Mitten in dem Viertel hat eine Frau aus Köln, Monika Borgmann, mit ihrem libanesischen Mann ein Kulturzentrum in einer umgebauten Gemüsehalle gegründet: „Umam“. Dort gibt es Ausstellungen, Lesungen und Konzerte, die sich auch mit der Geschichte von Dahieh beschäftigen. Eine Ausstellung direkt nach dem Krieg 2006 hieß „Collecting Dahieh“.
 
Mit einem ihrer Mitarbeiter, Abed, bin ich durch das Hisbollah-Viertel gegangen. „Bevor die Bombardierungen begannen, ist das komplette Viertel geräumt worden“, hat er erzählt. Das war eine logistische Meisterleistung, immerhin leben in der Gegend eine Million Menschen. Dieser Massenevakuierung war es zu verdanken, dass zwar Dutzende Häuser zerstört wurden, aber niemand ums Leben kam.
 
„Es hat nur Monate gedauert, da waren die Trümmer weggeräumt“, erzählte Abed von der Zeit nach den Bombardements. Die Hisbollah habe sich darum gekümmert. Geld sei auf einmal auch da gewesen, berichtete er weiter. Woher das so plötzlich kam? „Aus dem Iran natürlich“, meinte Abed.
 
Inzwischen werden die ersten Häuser wieder aufgebaut. Dazu hat die Hisbollah eigens eine Baugesellschaft gegründet. „Die Hisbollah kümmert sich hier um alles, auch um Sachen, um die sich der Staat nicht kümmert.“ Vor allem gebe sie den Leuten Arbeit und Geld. „Deshalb, und nur deshalb ist die Hisbollah für die Leute wie Gott. Wenn eine andere Organisation käme und dasselbe täte, würde sich das schnell ändern.“
 
Auf den Straßen des Viertels regeln Hisbollah-Leute den Verkehr, und auch an den Baustellen übernehmen sie die Aufsicht. Direkt zu erkennen sind sie nicht, in der Regel tragen sie keine Uniformen. Trotzdem hatte mich Umam-Chefin Borgmann zuvor gewarnt: Keine Fotos machen. Der Big Brother heißt hier Hisbollah, und der passt gut auf. Sie selbst lebe, sagte sie mir, in kritischer Distanz zu den islamistischen Nachbarn.
 
Eine der Bomben landete vor zwei Jahren in ihrem Garten, die Halle wurde zerstört. Mit Hilfe ihrer Freunde und deutscher Sponsoren, unter anderem Medico international, haben sie alles wieder aufgebaut. Eine mutige Frau, das muss man sagen.
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Kommentare | 1 bis 1 von 1 Kommentieren
13.11.2008 | 09.16 Uhr | Roeschen "Vor allem geben sie den Leuten Arbeit und Geld. „Deshalb, und nur deshalb ist die Hisbollah für die Leute wie Gott."
 
Interessanter Gedanke! Geld = Gott
 
Liebe Grüße
 
Röschen
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