Muttitasking
Statt Jameica-Würstchen: All-Parteien-Lotion
Wer sich noch an (die Figuren der) Inge Meysel erinnert, kann im Angesicht der Mutti unserer Nation nur schweißbeperlt feststellen: SIE ist deren politische Reinkarnation! Die abgeschminkte Wahrheit unserer Verfassung gebenden Wirrklichkeit, gewissermaßen.

Sie hat echt eine Menge auf dem Kasten: kaum hat sie mit ihrem 87Mrd Wirtschafts-Anschubs-Projekt den teuersten Wahlkampf (es geht mit dem Landtag in NRW ja auch um die Bundesratsmehrheit) angeleiert, da schmiss sie sich auch schon für den globalen Klimateriumsschutz in die Bresche; kosmetische Kommunikation, so könnte man ihre Sicht verlorener Dinge auch bezeichnen. Die studierte Physikerin, auch eine Meisterin der Muttiplikation.

Und was das Bombardement des Fundus der Verteidigung der FDGO (NIE zu verwechseln mit FDJ!) am Hinudkusch angeht: Dass der Herr von Guttenberg das Amt des Verteidigungsministers übernahm überraschte mich: außer Helmut Schmidt und Franz-Josef Strauß ist kein Politiker aus dieser Position nennenswert aufgestiegen; aber mittlerweile kristallisiert sich ein anderes Bild heraus: Frau Merkel hätte nicht ihre Position, wenn sie nicht von Helmut Kohl den Umgang mit Humanressourcen gelernt hätte!

Während sich also der Verteidigungsminister, wie es der Anstand gebietet vor seine Truppe stellt, hält es die Bundeskanzlerin wie ihr Mentor: sie stellt sich deutlich hinter ihre Minister. Ein Phänomen, das man auch als Kugelfang bezeichnet. Kohl hat auf diese Weise zahllose Rivalen aus dem Rennen geschlagen. Nur darum sagte sie zu Guttenberg: geh hin Du, kusch!

Unter dieser Prämisse macht die Form der Regierungsbildung, das große Muttiple-Choice-Verfahren, Sinn: den größten Anwärter auf Rivalität zunächst auf die unsicherste Schleudersitzposition schieben. Wie keiner sonst versteht sie es Leute abzusägen die nicht der Ast sind, auf dem sie sitzt.

Aber was will man von der Leyen-Spielgruppe auch mehr erwarten? Dass für sie im ZDF für sie ein neues Kochstudio eröffnet wird? Bitte nein! Denn jeder Oppositionelle, der in Kenntnis auf dessen Ende das Rolandslied ins Spiel bringt, dem wird ins selbe Horn gestoßen.

NEIN! Es muss einmal Schluß sein mit dieser so deutschen Miesepeterei, immer wieder was Negatives zu finden an der Regierung, ohne dass man erst danach gesucht hätte.
Wollte SIE nicht die Banken härter ran nehmen, unsere Monetärdomina, beklagte sie nicht die unerträgliche Gier der Manager? Nur: was bliebe, wenn man einer Regierung die Möglichkeit nähme, dass Unmaß ihrer Diäten selbst zu bestimmen? Denn das weiß die bekennende Pfarrstochter wie kaum eine andere: als Adam grub und Eva spann, wo war denn da der Ackermann?

Immer wird sie mit zweierlei Maß gemessen, bis dieses voll ist. Und wir, die wir endlich mal eine Chefin mit muttipler Persönlichkeit haben, wir beschweren uns gerade darüber. Sie, die wie keine andere die muttikulturelle Gesellschaft dekoltiert, nun im Fadenkreuz von Kümmel und Korn?

Dass sie, so gescholten, zu Verhärtungen, auch der Mundwinkel neigt, (Muttis Sklerose) ist ihr da doch nach zu empfinden, oder?

Das aber hat sie nicht verdient, und wenn überhaupt dann nur sich. Dankbar hingegen müssen wir ihr sein dafür, wie sie uns die Augen so sehr öffnet, dass sie uns über gehen!

Was hatten wir doch noch vor der Regierungsneubildung für Illusionen über die Bedeutung des Amtes des Aussenministers. Dabei ist es doch so, dass da nur einer unter Aufsicht des Aussenamtes minsitriert. Wer sich nur für fällig genug hielt seine Position zu erreichen wird so wohl- wie selbstgefällig, dass er in Pressekonferenzen ganz doll matcht. Oder lässt; vielleicht ist Angela seiner Anglophobie ihr Lokativ, wer will es wissen?

Auf jeden Fall ist Guido so von sich begeistert, dass die Kanzlerin ganz unproblematisch an ihm vorbei Aussenpolitik machen kann. Alles Dank ihrer diplomatischen Biglottarie.

Drum: froh sollten wir sein, dass uns in ihr eine gereifte Person vor steht, sonst müssten wir sie auch noch mit so hoch karätigen Größen wie Sakorzy oder dem Muttimillionär der italienischen Medien teilen wie einst Ägypten Cleopatra an den anderen Cäsaren und Mark Anton verlor. Nichts ist für die Ewigkeit, auch wenn uns die Zeit mit ihr so lang erscheint, ohne sie aber zu kurz.

Niemand sollte sich beschweren, dass er sich mehr von ihr versprochen hat: sich kann man alles versprechen. Da ist es wie mit dem verlassen: wer sich auf andere verläßt, der ist verlassen; von sich und allen guten Geistern.
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20.02.2011 | 18.50 Uhr | checkmate Der Schwarze Freitag war ein Donnerstag: Im Oktober 1929
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